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Interaktivität!! Das Zauberwort des Web 2.0. Nicht einfach passiv alles auf sich einwirken lassen, nein, ran an die Tasten und mitmachen! Kommentieren, Bewerten und vieles anderes sollte der Besucher nun machen. Toller Gedanke!

Hier zeigte sichmal wieder, dass Informatiker von der realen Welt keine Ahnung haben. Denn der allerschlimmste aller Fälle, der Super-GA,U trat ein: Die User machten tatsächlich mit!

Das alleine mag in anderen Ländern kein Problem sein. So verkommt in den USA die Kommentarfunktion auf Websites meist nach drei Minuten zu einem reinem Schimpfwörterlexikon, aber leider führte man den ganzen Kram auch in Deutschland ein.

Nun ist es bei uns so, dass man hier der Meinung ist, dass (nach Jahrzehnten der Unterdrückung) jeder sein Grundrecht auf freie Meinungsäusserung wohl wahrnehmen muss. Anstatt nach Dieter Nuhr, mal einfach die Klappe zu halten, muss sich der gewillte Deutsche seiner zwanghaften Neigung hingeben und jeden Gedankengang zu einem x-beliebigen Thema der Weltöffentlichkeit mitteilen. Besonders spannend ist dies bei lokalen Themen. Die Online-Ausgabe der Lokalzeitung schlägt heute jede Satirezeitung und bietet genügend Futter für darbende Comedy-Autoren. Sehen wir uns mal die Arten der Kommentatoren an:

Der Gutmensch

Häufig benutze Wörter: Betroffen, Schicksal, Gesellschaft, Zusammenrücken, Ungerecht

Der Gutmensch ist symphatisch hilflos. Eigentlich hat er nichts zum vortragen, ausser einigen Platitüden, aber die müssen raus! Löcher im Asphalt? Hilfe, mach doch mal einer was! Autos angezündet? Die Polizei muss stärker präsent sein! Mehr Arbeitslose? Einer muss mal Arbeit schaffen! Jeden seiner Sätze kann sich der normale Leser auch selber zusammenreimen, aber der Gutmensch muss es einfach formulieren.

Der Sozialist

Häufig benutze Wörter: Kapital, Hartz-IV, Veränderung, Arbeit, Konzerne, Vermögenssteuer

Egal, welches Thema, irgendein Grosskonzern hat bestimmt Schuld. Zumindest, wenn es nach dieser Spezies des Homos NichtsausderGeschichtegelernticus geht. Keiner hat mehr Arbeit (ausser den minimalen Prozentsatz der Erwerbestätigen, warum die immer eine Arbeitslosenquote veröffentlichen ist ihm ein Rätsel), in der Schule wird wild um sich geballert und der deutsche Arbeiter kann sich kaum noch eine Stulle leisten. Garnieren tut der Sozialist gerne seine Reden mit Worten, die man kaum versteht, wenn man nicht in der DDR aufgewachsen ist oder ein Lager der Linken besucht hat. Sein Allheilmittel: Vermögens- und Erbschafssteuer. Dann wird alles Besser!

Der Dudenfanatiker

Häufig benutze Wörter: Korrektur, Unglaublich, Dumm, Kluk

Einer ist immer da. Ihm geht es nicht um schnöde Sachen wie Inhalte…Oh nein, mit sowas können sich Langweiler und Spinner rumschlagen. Hier wird einem erklärt das es “schon mal” (nicht schonmal) heisst  usw. Alles ganz wichtig und super aufgedunsen. Gerne auch in zehn Sätze verpackt, in denen man den Autoren Dummheit unterstellt. Ein Quell schierer Freude solche Zeitgenossen.

Der Ich-hab-ja-sonst-niemanden-Schreiber

Häufig benutze Wörter: Wieso, Kommentar, bei mir, ganz anders

5500 Einträge bei Spiegel Online? Schon einen Stammnamen bei KN-Online? Na, dann herzlich Willkommen in dieser Kategorie.  Hier wird kommentiert, dass die Schwarte kracht. Ob Niederlage von Holstein, Aussenhandelsdefizit in Burkina Faso oder Verkehrsunfall in Meppen. Er hat zu allem eine Meinung, und tut sie kund. Im Gegensatz zum Gutmenschen interessiert ihn das Thema aber nicht. Er will nur Reaktionen. Hoffentlich antwortet mir einer, um meine bescheidene Existenz aufzuwerten, bzw. zu bestätigen, dass ich überhaupt noch existend bin. Irgendwie traurig.

Der Verlorene

Häufig benutze Wörter: Artikel, gut, weitermachen

Er ist der grosse Loser unter den Kommentatoren und hat heutzutage da nichts mehr verloren: Jemand, der sich wirklich mit etwas auseinandergestetzt hat, vielleicht sogar noch Hintergrundinformationen besteuern möchte und in einem Anfall von Wahn die Kommentarfunktion benutzt. Merkmal: Zu intelligent um diesen Fehler mehr als zweimal zu machen!

Einige Spezies habe ich sicher vergessen, vielleicht habt ihr ja noch ein paar auf Lager…Benutzt doch die Kommentarfunktion ;)

In unregelmässigen Abständen schreibe ich hier interessantes, lustiges, merkwürdiges und teilweise praktisches aus dem Labor- Alltag.

Heute: Der Puffer

Quasi Flüssigsteak: Fleischextrakt-Puffer

Nichts macht einem Biochemiker mehr Freude als ein Puffer (engl. Buffer). Puffer hier, Puffer da, für uns besteht das halbe Leben aus Puffern. Heute also mal etwas über diese Wunderwaffen im Labor.

Was genau ist ein Puffer? Schon da wird es etwas kompliziert. Wer Ahnung von Chemie hat (genau solche sollten diesen Blog nicht lesen…), dem könnte ich etwas über pK-Werte, Kapazitäten usw. erzählen. Aber ich will ja niemanden abschrecken. Daher in Kurzform:

Ein Puffer sorgt dafür, dass (egal was ich mache) die Bedingungen gleich bleiben.

Das stimmt natürlich immer nur bedingt und vereinfacht, aber für uns reicht es erstmal. Ein Puffer sorgt im Wesentlichen dafür, dass der pH Wert sich nur gering ändert, egal was passiert. Zur Erinnerung: pH ist der negativ dekadische Logarithmus der Anzahl der Hydronium-Ionen ;) Kurz: Kleiner pH Wert: Supersauer; Hoher pH Wert: Nicht-Sauer (Alkalisch).

In meinem Bereich brauche ich nun viele Enzyme (Thema des nächsten Labezehs). Diese sind aber immer nur in einem bestimmen pH Bereich aktiv, bzw. arbeiten bei bestimmten pH Werten einfach besser. Daher benutzt man also einen Puffer, der hält die Bedingungen stabil, damit die Enzyme möglichst lange und effektiv arbeiten können.

Die Anzahl an Puffern ist gigantisch! Für fast jedes noch so kleine Teilgebiet gibt es Spezialpuffer. Dazu kommt noch, das es zwar einige weit verbreitete Puffer gibt (s.u.), aber die Rezepte dafür nicht einheitlich sind. Daher ist es meist unerlässlich nicht einfach anzugeben, welchen Puffer man verwendet hat, sondern auch wie man diesen denn angesetzt hat.

Insbesonders in Zeiten, wo man für jeden Mist Formblätter ausfüllen muss (dank dem Qualitätsmanagement), muss man auf solche Dinge achten. Faule Leute (wie ich) umgehen das Ganze, und bestellen einfach fertigen Puffer. Da kann man dann Sicher sein, immer dieselbe Qualität zu erhalten.

Pufferinflation (Ausschnitt!)

Puffer werden meist nach ihren Bestandteilen benannt. So benuzte ich zum Beispiel:

TE Puffer: Lustig, wie wir Biochemiker sind, nennen wir diesen Puffer abgekürzt nach Abkürzungen… T steht nämlich für Tris, welches wiederrum für Trishydroxymethlyaminomethan steht. E steht für EDTA, welches für Ethylen-Diamin-Tetra-Essigsäure steht. Ich benutze den Puffer als Reaktionspuffer für einige Enzyme und noch einiges anderes. Echtes Allroundtalent! Grosser Vorteil: Ist direkt bestellbar bei pH7 (neutral) und pH8!

PBS: Steht diesmal für eine Phosphate-Buffered-Saline. Also eine mit Phosphat gepufferte Salzlösung. Auch so ein Allheilmittel in der Molekular Biologie. Gerne genommen als Wasserersatz, wenn man mal was waschen muss. Ist nämlich isotonisch, sprich: Macht Zellen nicht kaputt! Sehr wichtig, wenn man sich fragt, warum meine Bakterienkultur die 24h in entsalzenem Wasser nicht überstanden hat…

TAE und TBE: Im ersten Labezeh stellte ich doch die Frage nach einem Puffer, für eine Elektrophorese. TAE und TBE wären hier die Standartpuffer. Ich nehm meist TAE, aber ich mache fast nur noch Real-Time PCR und brauche eigentlich keine Gele und damit keine Elektrophorese mehr…

MOPS: Erwähne ich nur des Namen wegen :) Oh, und ist ein Good-Puffer. Was nicht heisst, dass er Gut ist, sondern der Autor des Papers, in dem Mops vorgestellt wurde, war Good.

Puffer selbst werden meist in Stammlösungen angesetzt und dann nach Bedarf verdünnt. Man hat also meist eine Lösung mit (z.B.) der 10x Konzentration. Davon nimmt man dann 100 ml, füllt 900 ml destilliertes Wasser hinzu, schon hat man einen Liter fertigen (sogenannten Gebrauchs-) Puffer.

100x TE

Voll konzentriert: 100x TE Puffer

Soviel also zu Puffern, beim nächsten Mal gucken wir uns dann Enzyme an. Spannend!

Als begeisterter TV Junkie und Nachtdienst-Arbeiter habe ich dank Internet die Möglichkeit das amerikanische Fernsehprogramm zu verfolgen. Hier möchte ich Sendungen vorstellen, die es vielleicht bald auch im deutschen Fernsehen zu sehen gibt. Bei manchen um die Vorfreude zu steigern, bei manchen als Warnung.

Scrubs – Med School

Sender: ABC, Mittwochs

Genre: Comedy, Ärzte

Es war einmal eine lustige Show. Ein junger Arzt namens JD erzählt uns seine Erlebnisse im Krankenhaus Sacred Heart.

Da die Serie wohl den Meisten bekannt ist, lass ich hier mal weg worum es denn so geht. Scrubs begann ganz ok, wurde dann richtig gut. Wie bei den meisten Serien hält sich ein Konzept aber nur eine Weile frisch. Nach der fünften Season hatte man schon den Eindruck, dass es langsam deutlich bergab geht. Trotzdem gab es noch eine sechste Staffel. Konnte man noch mit Leben.

Dann kam Staffel 7 und auch den Verantwortlichen beim Sender NBC wurde langsam klar, dass das Boot nur noch nicht untergangen ist, weil es schon auf Grund lag, nicht weil es so gut gebaut war. Die Erbauer des Bootes sahen das natürlich anders.

So wollte man bei NBC nach Staffel 7 den Laden dicht machen. Doch im Zuge des Writers Streik, wechselten die Produzenten einfach zu ABC, wo man wohl zuviel Geld über hat. Hier gab es dann Season 8, die für mich nach 4 Folgen endete, länger konnte ich das Sichtum einer meiner früheren Lieblingsserien nicht mehr ertragen. Staffel 8 endete mit “My Finale”. Alle waren glücklich verliebt, schwanger oder sonstwie zufrieden. Herrgott, es gab Behind the Scenes Ausschnitte am Ende der Folge, da muss doch mal Schluss sein!!

Nein! Irgendwie gelang es  Showrunner Bill Lawrence und Zach Braff  ABC zu überreden noch mehr Geld auf ein totes Pferd zu setzen. Season 9 startet also an einem neuen Ort (einer Uni), mit einigen neuen Charakteren und den gleichen Witzen, die man noch in Staffel 4 herrlich fand.

War es Anfangs noch lustig zu sehen, wie JD und Turk sich suchen, immer wieder verpassen, nacheinander rufen usw, ist es beim dritten Mal halt nicht mehr so spannend. Da die meisten Stammschauspieler auch nur noch Nebenrollen (JD als Professor…Genau!) muss man zudem auch noch unsymphatische Dumpfbacken Studenten angucken. Da sogar der Hausmeister ganz weg ist und Dr. Cox auch nur noch einen kleinen Teil einnimmt, fallen auch die letzen Gründe weg, sich den Kram anzugucken.

Bill Lawrence hat für ABC gleich noch ein weiteres Projekt erschaffen. Cougar Town u.a. mit Courtney Cox und seiner Frau Christa Miller (Jordan aus Scrubs). Dieses Machwerk stelle ich demnächst hier vor.

Kommt es nach Deutschland? Habe mich da nicht schlau gemacht, aber ich denke schon. Scrubs läuft ja ganz gut bei Pro7, da wird man das (wie in den USA auch) als Season 9 einfach anhängen.

Eigentlich zeige ich ja immer Clips aus der Sendung, aber hier erinnern wir uns doch lieber an die gute, alte Zeit!

Als begeisterter TV Junkie und Nachtdienst-Arbeiter habe ich dank Internet die Möglichkeit das amerikanische Fernsehprogramm zu verfolgen. Hier möchte ich Sendungen vorstellen, die es vielleicht bald auch im deutschen Fernsehen zu sehen gibt. Bei manchen um die Vorfreude zu steigern, bei manchen als Warnung.

Flight of the Concords (FotC)

Seasons: 2, keine weitere geplant

Sender: HBO, Sonntags

Genre: Comedy, Songs

Co-Creator James Bobin sagte es zu Recht: Wenn man hört, dass jemand Comedy-Songs spielt, sollte man möglichst fluchtartig den Raum verlassen.

Dies war auch mein erster Gedanke, als ich von Flight of the Conchords hörte. Von HBO auf den Sonntag programmiert, gleich hinter einer meiner Lieblingsserien (Entourage), konnte da ja nur Furchtbares bei rauskommen. Oh, was habe ich mich geirrt!

Zur Story: Die Neuseeländer Bret und Jermaine bilden das Folk-Duo Flight of the Conchords. Mit Hilfe Ihres (auch neuseeländischen) Managers Murray, wollen sie in New York den grossen Durchbruch schaffen. Oder zumindest mal eine CD verkaufen. Leider haben sie mit Mel nur einen einzigen Fan, und die Gute ist auch noch Hardcore-Stalkerin. Trotzdem lassen sich die beiden nicht unterkriegen und lassen uns teilhaben am harten Kampf der Kiwis im Big Apple.

Eigentlich hasse ich Serien mit Songs. Lieder bei den Simpsons? Umschalten!! Musicals: AHHH! Grauenhaft.

Hier liegt die Sache etwas anders. FotC hatten alle Songs bereits VOR der Serie geschrieben und auf Album gepresst. Auch hatte man den Grundstock des Ganzen schonmal als Hörbuch veröffentlicht (iTunes Link). Zusammen mit James Bobin entwickelte man dann eine Story um die Songs herum. Die Folgen drehen sich also um die Lieder, nicht die Lieder um den Handlungstrang der Folge.

Hier mal ein kleines Beispiel für einen typischen FotC Song (aus einem HBO Special):

Wer mit diesem Wortwitz was anfangen kann, der ist bei FotC genau richtig. Mir persönlich reicht schon das Gesicht von Jermaine Clement (mit Brille), um loslachen zu müssen. Zu Recht war er 2009 für einen Emmy nominiert.

FotC ist einer der wenigen Serien, die nicht amerikanisch Überladen ist. In Bret und Jermaines Küche, sieht es tatsächlich wie in der Küche zweier Singles aus. Ihre Wohnung ist klein und ranzig, genau das, was sich zwei Typen in ihrer Situation wohl auch leisten können. Kein Palast wie in meiner persönlichen Hass-Serie “Friends”.

Absolutes Highlight der Folgen sind jeweils Bandmeetings mit Manager Murray, ein kleiner Pedant im neuseeländischen Konsulat (Deputy Cultural Attache), der aber alles in seiner Macht stehende tut, um den Jungs Gigs zu besorgen. Perfekt gespielt vom NZ-Komiker Rhys Darby. Der Roll-Call zu Beginn eines jeden Bandmeeting ist wohl das meistzitierte aus der Serie. Man beachte auch immer die tollen Poster von Neuseeland in seinem Büro (New Zealand…Rocks!!).  Auch für einen echten Computer reicht es bei Murray nicht: Er hat nur einen C64! :)

Im Dezember 2009 gaben Bret und Jermaine bekannt, keine dritte Staffel mehr zu produzieren, obwohl die Serie sowohl bei Fans, als auch bei Kritikern sehr gut ankam. Schade, aber wohl auf Grund der hohen Belastung verständlich.

Kommt die Serie nach Deutschland? Wohl nicht! Die Serie lebt viel vom neuseeländischen Akzent der Schauspieler, sowas kann man nicht übersetzen und Untertitel werden sich wohl nicht bei uns durchsetzen. Sehr schade, man verpasst ein Kleinod!

Natürlich kann man sich aber per DVD eindecken, und auch Youtube ist voller Lieder und Szenen.

Am Ende noch ein Lied direkt aus der Serie…

Ich bin Biochemiker!

Dies alleine mag ein Schock sein, vor allem für meine Frau, die mich nach zwei Ehejahren mal fragte, was ich denn so beruflich mache. Ich glaube, ich sagte da “Virologe”, was auch nicht so ganz falsch ist, aber auch nicht die ganze Wahrheit.

Biochemiker sein alleine ist natürlich nicht schlecht. Insbesondere als mir mal ein Kollege erzählte, der NC für Biochemie liege bei 1,2. Meine Abschlussnote lag nun eher im dreistelligen Bereich, daher kann ich also froh sein in den USA studiert zu haben, wo man beinahe jeden nimmt, der mit Dollarnoten winkt. Das ich am Ende des Studiums Schulden in Höhe von $100000 hatte stört da ja nur am Rande. Ich bitte also um Verständnis, dass ich über deutsche Studiengebühren nur leicht lächeln kann und ich jeden der in Deutschland quasi umsonst studiert um dann schnellstmöglich ins Ausland zu gehen, für unsozial (um es nett auszudrücken) halte.

Zurück zum Thema. Mein Problem im täglichen Leben: Ich bin Naturwissenschaftler ohne Doktortitel! Und sowas ist sehr unangenehm.

In den Naturwissenschaften geht es in den USA meist so: Man studiert bis zum Bachelor (B.S.) und macht dann seine Doktorarbeit. Mit so 25-26 Jahren ist man dann PhD und fragt sich, wie man die ganzen Schulden denn abbezahlen soll, die man bis dahin angesammelt hat.

In Deutschland ging es früher ähnlich: Diplom, dann Doktorarbeit, für die man so drei Jahre brauchte, und während der Zeit man die Hälfte eines “normalen” Doktorengehalts (damals BAT IIa, heute E13 oder E14) erhielt.

Heute macht man erst nen Bachelor, dann Master, dann Doktor. Geld bleibt aber gleich.

Ich persönlich habe den Master in den USA gemacht. Da ich einen Grossteil des Studiums per Fernkurse gemacht habe, fiel mir dies leichter, da ich so einen Master-by-Coursework erwerben konnte, sprich, ich musste keine grosse Diplomarbeit anfertigen. Ausserdem konnte ich so noch 1,5 Jahre nebenbei arbeiten und schonmal Geld verdienen.

Wer aber in den Naturwissenschaften was sein will, braucht nen Doktor. Als Diplomdödel (oder jetzt Master) droht der Abstieg zum Pharmareferenten, wie es Siegfried Bär mal ausdrückte.

Für so eine Doktorarbeit sucht man sich ein mehr-oder-minder interessantes Thema, werkelt daran herum, vielleicht kommt am Ende sogar etwas positives dabei raus. Ist man fertig produziert man ein DinA5 Heftchen, welches im Keller der Uni lagert, bis der Schimmel es vernichtet. Wer was richtig gutes herausgefunden hat, publiziert seine Ergebnisse in Fachzeitschriften.

Einfacher wäre es natürlich, man würde den Leuten einfach einen Doktortitel geben, wenn sie einige Artikel in diesen Zeitschriften publiziert hätten. Die Kriterien zu veröffentlichen sind sehr streng, alle Paper werden von Experten geprüft (Peer-Review). Langsam kommt sowas voran (Doktorarbeit durch Akkumulation), aber für mich wird es wohl nicht mehr reichen. Puplished but perished sag ich mal! Ohne Doktor muss ich mich weiter morgens aus dem Bett quälen (naja, eher Abends, arbeite meist nachts).

Mir selbst ist das relativ egal. Ich hatte meine derzeitge Arbeitsstelle bereits, als ich noch studierte. So konnte ich ohne jeglichen Reibungsverlust für den Arbeitgeber sofort einsteigen. Und ebenso wichtig: Ich bekam das gleiche Geld, wie jemand der seinen Vornamen in Doktor geändert hatte.

Was etwas stört sind Kontakte mit anderen Wissenschaftlern. Wenn man immer erst erklären muss, dass man keinen Doktor hat, wirkt man gleich wie Sonderschüler. Dafür kann ich auf meiner Visitenkarte mit “M.S. (USA)” auftrumpfen, das macht einiges an Boden wieder gut. Auch wenn die offizielle Bezeichnung, die mir vom Wissenschaftsministerium diktiert wurde etwas anders lautet (wer im Ausland studiert hat, bekommt die genau Bezeichnung seines akademischen Grades vorgegeben). Die genaue Wortwahl habe ich schnell etwas eingedampft, da ein Kollege von mir mal bemerkte: Ich unterschreib ja auch nicht mit jedem Kindergarten in dem ich mal war…

Kleine Randbemerkung: Selbst Leute die mich seit Jahren kennen, nennen mich Dr. :)

In unregelmässigen Abständen schreibe ich hier interessantes, lustiges, merkwürdiges und teilweise praktisches aus dem Labor- Alltag .

Heute: Das Buch

Ohne Bücher geht es nicht. Geht schon in der Schule los, im Studium wird es eher schlimmer und selbst im normalen Alltag des Laborschubsers braucht man sie öfters mal. Der Wissenschaftler unterscheidet:

a) Das Lehrbuch

Einfach zu erkennen. Schon das Volumen muss einem Angst machen. Richtig eingesetzt enthält es alles Grundlagenwissen, welches es über das Thema des Buches (steht meist auf dem Umschlag…) gibt. Falsch eingesetzt eine Mordwaffe, die jeden Holzkopf mit einem gezielten Schlag ewig zum Schweigen bringt.

Der Campbell (l.) und der Stryer

Richtig gute Lehrbücher, werden nur nach ihren Autoren benannt. Kein Mensch weiss, dass ein Buch “Organische Chemie” heisst. Aber wenn ich “Der Vollhardt” sage, erinnert sich jeder Chemiestudent an genau dieses Thema. Andere Klassiker in meinem Gebiet sind “Der Campbell”, “Der Tipler” oder “Der Stryer” und “Der Voet”. Und ob Stryer oder Voet das bessere Biochemie-Lehrbuch geschrieben haben, kann ich jetzt auch nicht sagen. Hab vorsichtshalber beide gekauft.

Wer es nicht schaffte ein tolles Lehrbuch zu schreiben oder einen unaussprechlichen Namen hat, muss sich mit einem Nischendasein begnügen. Solche Bücher sind dann mit “Steht in dem Grünen da” gemeint.

Med Biochem

Hat es leider nicht geschafft: Der Bhagavan

Grosse Verlage auf dem Gebiet der Lehrbücher sind

Klassiker in Blau-Weiss

Wiley-VCH und Elsevier (vormals Spektrum). VCH erkennt man an der typischen blau-weissenAufmachung, die jedem Bayern das Herz bumpern lassen muss. Elsevier erkennt man am guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

b) das Fachbuch

Lehrbücher sind gross, schwer und sehen imposant aus!  Leider steht da überhaupt nichts drin, was man im Laboralltag braucht.

Auch nach einem tollen Studium, kommt der erste Tag im Arbeitsleben und man steht alleine im Labor und denkt sich: Hoffentlich kriegt keiner mit, dass ich keine Ahnung hab, was ich hier machen soll!

Wie setzt man eine Lösung an?  Sagt mir weder Stryer noch Voet!

Was für einen Puffer nehm ich bei einer Elektrophorese? Also, im Prinzip super erklärt, aber welcher genau…Tja…

Bei welchem pH Wert ist DNAse I optimal aktiv? Da weiss ein Anbieter mehr!

Hier hilft schonmal das Fachbuch. Klein, meist relativ günstig im Gegensatz zu den Lehrbüchern (für manche von denen braucht man einen Kleinkredit), stehen hier wissenswerte Dinge drin, die einem im Praxisalltag helfen. So gibt es Fachbücher über jeden Bereich des Laborlebens. Vom Ansetzen der Lösungen, bis zur Pufferwahl bei der Elektrophorese, hier findet man zu allem eine Antwort. Problem ist leider: Das Fachbuch konzentriert sich immer auf einen Teilaspekt. Wer relativ breit (also…Breites Spektrum an Methoden) arbeitet, der benötigt etliche Fachbücher.

Mein Geheimtipp: Die Experimentator Reihe! Insbesondere das Buch von C. Mülhardt war mir schon öfters ein guter Helfer.

c) das Methodenbuch

Jetzt kommen wir zu den Büchern, in denen nicht was steht, was man im Labor anwenden kann, sondern die explizit dafür gemacht wurden, im Labor eingesetzt zu werden.

Ein Methodenbuch kann man sich wie ein Kochbuch vorstellen. In einfachen Schritten wird einem erklärt was man machen soll.

a) nehmen sie 10 µl von Reagenz A (µl= Mikroliter…Klingt wenig, ist aber schon fast viel…)

b) geben sie 5 µl Reagenz B dazu

c) gut mischen

d) stellen sie das Ganze 1 Stunde in einen 37°C warmen Schrank

Und so weiter… Leider steht am Ende nie: Abschmecken, fertig! Sondern immer etwas wie: Geben sie davon 5 µl in ein (sehr teueres Gerät einfügen) und interpretieren sie die Ergebnisse. Tolle Hilfe!

Kochrezepte fürs Labor

Ein Methodenbuch erkennt man häufig bereits an der Heftung. Sind Lehrbücher gebunden und Fachbücher broschiert, so hat ein Methodenbuch meist eine Ringheftung (Fachberatung by Nupsi).  Dadurch kann man es im Labor schön aufgeschlagen nehmen sich hinlegen, ohne Angst haben zu müssen, dass die Seite von alleine umblättert. Praktisch! Kein Wunder also, dass die Dinger im Englischen gleich “Manual” heissen.

d) Der Rest

Lexikas und Wörterbücher: Nicht kaufen! Braucht heute in den Zeiten von Wikipedia und Innerned keiner mehr.

Taschenbücher: Es gibt einige tolle Taschenbücher, die für sehr wenig Geld viel erklären (Beispiel hier). Braucht man aber auch nicht, da man ja doch irgendwann mal ein “echtes” Lehrbuch kauft. Wer aber wirklich jeden Cent dreimal umdrehen muss, oder wer noch nicht sicher ist, ob sie nicht doch eine Geisteswissenschaft studieren will, der kann da ruhigen Gewissens zuschlagen.

Das wichtigste Buch: Die Kladde!

Jeder Labordödel erstellt sich sein eigenes Buch. In diesem hält er alle Methoden fest, notiert sich Besonderheiten, Tipps der Kollegen usw. Das führen eines eigenes Laborbuches ist unerlässlich, gerade an der Uni! So ein Ding zu hegen und zu pflegen kann fast so süchtig machen wie Farmville ;)

Und zum Schluss:

Von Nobelpreisträgern empfohlen!

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